Mehr als 1350 Menschen unterstützten die Entstehung des Erinnerungsortes auf dem Friedhof Altglienicke durch das Schreiben jeweils eines Namens.
VIELEN DANK!

Die Urnen von über 1.360 Opfern nationalsozialistischer Gewaltmaßnahmen wurden ohne Nennung der Namen auf einem kleinen Bereich des Friedhofs Altglienicke beigesetzt. Um die Anonymität dieser Opfer aufzuheben, lobte die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Ende 2018 einen Wettbewerb zur Neugestaltung aus. Auf Empfehlung des Preisgerichts wurde dieser Auftrag der Arbeitsgemeinschaft struber_gruber mit outside < landschaftsarchitektur übertragen.

Herzstück der Neuplanung ist eine grüne Glaswand, die bald Namen und Lebensdaten dieser Menschen in einer besonderen Form zeigen wird: alle Daten werden individuell handgeschrieben.

Diese Besonderheit wird durch die Beteiligung vieler heute lebender Menschen ermöglicht. So entsteht gemeinsam mit vielen Freiwilligen ein Erinnerungs- und Lernort, der auch Hinterbliebenen ein angemessenes Trauern ermöglicht.

Perspektive des Entwurfs von struber_gruber

Erinnerung entsteht gemeinsam

Lebendige Erinnerung ist die Grundlage für die Neugestaltung dieser Begräbnisstätte. Auf dem Friedhof Altglienicke wurden Menschen beerdigt, die in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau, in Tötungsanstalten im Rahmen von Patientenmorden in Hartheim, Sonnenstein, Bernburg, Grafeneck, Brandenburg und Hadamar sowie in der Haftanstalt Plötzensee ermordet wurden.

Die Namen der Opfer nationalsozialistischer Gewaltmaßnahmen stehen im Mittelpunkt des Beteiligungsprozesses. Am 27. Januar fanden sich 895 Personen im Rathaus Köpenick ein, um den Namen jeweils eines Toten zu schreiben (oder einige Zeilen für einen unbekannten Toten).

Schriftpat_innen im Ratssaal des Rathauses Köpenick am 27.01.2020
© Anton Hammerschmidt Schriftpat_innen im Ratssaal des Rathauses Köpenick am 27.1.2020

Die meisten von ihnen waren Einzelpersonen, etwa 160 bis 180 Menschen erschienen als Teil einer Gruppe, viele davon Schülerinnen und Schüler einiger Schulen, weiters Angehörige mehrerer Institutionen wie der Jugendfeuerwehr, der Polizei und der Bundeswehr und Angehörige des Bezirksamtes Treptow-Köpenick, unter ihnen der Bezirksbürgermeister.

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Neugestaltung

Bestand

Die Begräbnisstätte der Opfer nationalsozialistischer Gewaltherrschaft liegt auf einer kleinen Fläche am Eingang des Friedhofs Altglienicke. Von offizieller Seite wurde etwa 1950 ein aus heutiger Sicht recht minimaler, zusammenfassender Gedenkstein eingerichtet. Erst beim Lesen der Inschrift auf diesem Gedenkstein offenbart sich, auf einem Sammelgrab zu stehen.

Entwurf

Die Toten werden nun im würdigen Rahmen der Anonymität enthoben. Ähnlich wie Grab und Grabstein gestalten wir den Erinnerungsort zweiteilig: Die Urnengrabstelle der Opfer wird bepflanzt und mit einem Schriftband zu einem gemeinsamen Gräberfeld gefasst. Daneben werden auf großen Glaselementen die Namen der Toten genannt.

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Die Geschichte

Der Friedhof Altglienicke gehört zum Berliner Bezirk Treptow-Köpenick. Er liegt an der Westgrenze des Bezirks. Der Friedhof wird nördlich, westlich und südlich durch Grünland bzw. einzeln stehende Bebauungen begrenzt, östlich durch die Schönefelder Chaussee (seit 1920, vorher Schönefelder Weg). Eingang und Adresse ist Schönefelder Chaussee 100, 12524 Berlin. Die Gesamtfläche des Friedhofs umfasst rund 23.500 m².

Lageplan Friedhof Altglienicke

Die Besonderheit der Grabfelder U1 / U2 auf dem Friedhof Altglienicke, nämlich die sammelgrabartige Urnenbestattung in großer Zahl und kürzester Zeit von 1940 bis 1943 steht im direkten Zusammenhang mit der nationalsozialistischen Herrschaft. In den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs erfolgten zunächst noch Urneneinzelbestattungen von Opfern aus Konzentrationslagern und Tötungsanstalten. Gegen Kriegsende wurden Aschen ungeordnet, zunächst in Sammelgräbern und später als Massengrab zum Beispiel in Gruben oder angrenzenden Gewässern verbracht.

Gesamtübersicht Friedhof Altglienicke mit Gräberfeld
Historischer Plan Grabfeld U1/U2
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